Am Samstagabend nach dem letzten Heimspiel der Saison 25/26, dass der TVH gegen den TuS Ferndorf mit 34:31 für sich entschieden hatte, wurde es wie jedes Jahr emotional im Sportzentrum Hüttenberg. Denn erneut mussten sich Mannschaft, Verein und Fans verabschieden – von Co-Trainer Fabian Kraft, der dem Verein allerdings weiterhin als Jugendtrainer erhalten bleibt, und von zwei Spielern, die nicht nur ihren Team-Kollegen sehr ans Herz gewachsen waren.
Weniger ein „Servus“ als mehr ein „Dankeschön“ erhielt Fabian Kraft im Anschluss an die Partie gegen Ferndorf. Dieser hatte das Amt an der Seite von Stefan Kneer zur Saisonmitte von Sebastian Weber übergangsweise übernommen und wird sich nun wieder auf seine Aufgabe als Trainer der männlichen C-Jugend der Mittelhessen Youngsters konzentrieren. Fabi bleibt dem Verein also weiterhin erhalten und wird vielleicht auch irgendwann wieder im Umfeld der ersten Mannschaft auftauchen, die er während seiner kurzen Amtszeit mit modernsten Trainingsmethoden überraschte, so zum Beispiel als seine kurz darauf verschwundene digitale Taktiktafel erstmals zum Einsatz kam und für erstaunte Gesichter sorgte. Eine solche wurde ihm von Philipp Schwarz nach gewohnt humorvollen Worten als Präsent überreicht.
Abschied von Paul Kompenhans
„Danke“ und „Servus“ zu sagen, hieß es allerdings zu Spielmacher Paul Kompenhans. Dessen Abgang war erst wenige Tage zuvor bekannt geworden – sehr zur Überraschung der meisten Fans, da der 23-Jährige seinen Vertrag beim TVH im Januar noch um ein weiteres Jahr verlängert hatte, sich nun aber doch nach der Saison anderweitig orientiert und Nachbar HSG Wetzlar anschließt, um ab Sommer voraussichtlich in der 1. Liga auf Torejagd zu gehen. Auch wenn die Enttäuschung unter den TVH-Anhängern sicher vorhanden war, zollten die zahlreichen trotz großer Hitze im Sportzentrum verbliebenen Zuschauer*innen, nicht wenige davon im Trikot mit der Nummer 34, dem beliebten Regisseur Respekt für seine vier Jahre im TVH-Trikot. Besonders in der Vorsaison hatte der Nordhesse mit einer überragenden Leistung maßgeblichen Anteil am „Beinah-Aufstieg“ und hielt damit, wie Geschäftsführer Timm Schneider verriet, Wort. Denn nach dem Abgang von Ian Weber hatte Paul seinem „Chef“ im Sommer 2024 versprochen, er müsse sich keine Gedanken machen, denn er würde nun „das Ruder übernehmen“. Und das tat er eindrucksvoll. So richtete nicht nur Timm Schneider sondern auch seine Teamkollegen Tim Rüdiger und David Kuntscher emotionale Worte an ihren „treuen, wenn auch manchmal schusseligen Freund“, der häufig auf den „Ersatz-Schlüsseldienst Kuntscher“ zurückgreifen musste und von diesem lernte, dass Bananen im Supermarkt auch einzeln erworben werden können. Deutlich kam hervor, wie wertvoll der Mensch Paul Kompenhans auf und auch neben dem Feld für seine Kameraden war und auch er selbst konnte die Tränen während seiner Abschiedsrede nicht zurückhalten. Dass ihm die Entscheidung, seinen zur zweiten Heimat gewordenen Verein zu verlassen, alles andere als leichtgefallen ist, war nicht nur aus seinen Worten herauszuhören.
Danke Zörbi!
Richtig emotional wurde es dann, als Hallensprecher Robert Majcen ein letztes Mal die Nummer 14 aufrief. Unter Standing Ovations und nicht enden wollendem Applaus betrat Moritz Zörb, der in seinem letzten Heimspiel sein Team als Kapitän auf das Feld geführt hatte, die Halle, um sich von seinen Kollegen und Fans zu verabschieden. Welchen Stellenwert der sympathische und bodenständige Publikumsliebling nach zehn Jahren beim TV Hüttenberg genießt, wurde nicht nur in der Laudatio von Kapitän Hendrik Schreiber deutlich, der sich gewünscht hätte, dass dieser Zeitpunkt „noch etwas später gekommen wäre“. Auch Timm Schneider, der selbst noch mit „Zörbi“ auf der Platte gestanden hatte, sprach von „einer der schwierigsten Entscheidungen“, die er je treffen musste. Sowohl als Spieler, der trotz zuletzt Doppelbelastung von Vollzeitjob und Handballprofi im Spiel und Training nie „nur 99 sondern immer 100 Prozent“ gegeben hat, als auch als Mensch, auf den man sich jederzeit verlassen kann, wird Zörbi in Zukunft fehlen. Einer der letzten „Wildschweine“, wie es auch Trainer Stefan Kneer bezeichnete, die sich mit „unbedingtem Einsatz und Willen“ immer reingehauen und die Werte des TVH verkörpert haben, verließe nun den Verein. Auch die vor allem handwerklichen Talente außerhalb des Handballs kamen mehrfach zur Sprache und in der ein oder anderen Anekdote wurde deutlich, dass Zörbi ein Macher ist, der kein Aufheben um seine Verdienste benötigt. Per Videobotschaft nahmen auch zahlreiche ehemalige Weggefährten, wie Mario Fernandes, Tomas Sklenak, Dominik Mappes, Moritz Lamprecht oder Christian Rompf, Abschied von ihrem ehemaligen Mitspieler, der nach einer eindrucksvollen Karriere, in der als Höhepunkt unter anderem der Aufstieg in die 1. Liga zu nennen ist, nun in den „Handball-Ruhestand“ geht. Als Moritz Zörb dann selbst zum Mikrofon griff und sich neben seiner Familie vor allem bei der medizinischen Abteilung bedankte, die den immer wieder von teils schweren Verletzungen gebeutelten Lützellindener, flossen nicht nur beim Routinier selbst die Tränen. Ganz nach seinem Naturell hatte das Urgestein aber auch noch eine Überraschung parat: als Dankeschön an die Fans spendierte Zörbi gemeinsam mit seinem Spielerpaten „Autohaus Kleinschlömer“ und seinen Freunden der „Sattmacher“ fünfhundert Portionen Curry-Wurst, die er noch im Trikot selbst aus dem Foodtruck heraus servierte.




