Wieder kein Sieg für den TV 05/07 Hüttenberg in der 2. Handball-Bundesliga. Gegen den bis dato Tabellenletzten TuSEM Essen unterliegen die Mittelhessen am 9. Spieltag vor heimischem Publikum mit 30:33 (11:17) und müssen damit die vierte Niederlage in Folge einstecken.
Und erneut war es eine kaum zu erklärende Schwächephase in der ersten Halbzeit, in der die #HüttenbergerJungs binnen zehn Minuten das Spiel wegwarfen. Denn bis zur vierzehnten Minute lief eigentlich alles nach Plan. Im Angriff agierten die Hausherren strukturiert und hinten machte die 3:2:1-Deckung mit Yahav Shamir dahinter dem TuSEM das Leben schwer. So ging der TVH zu diesem Zeitpunkt durch einen schönen Rückraum-Hammer von Paul Ohl unter die Latte mit 9:6 in Führung und hatte die Partie weitestgehend im Griff.
Dann aber reagierte Essens Coach Kenji Hövels: für den bis dahin glücklosen Lukas Diedrich beorderte er Torhüter Finn Knaack zwischen die Pfosten und stellte im Angriff auf Sieben-gegen-Sechs. Ein entscheidender Schachzug wie sich in den nächsten zehn Minuten herausstellen sollte. Denn während die Rot-Weißen im Angriff angeführt vom überragenden Spielmacher Felix Mart die TVH-Abwehr nun nach Belieben auseinandernahmen, gelang den Gastgebern weder hinten noch vorne so gut wie nichts mehr. Im Angriff brachte man Finn Knaack durch einen verworfenen Siebenmeter sowie zahlreiche schwache Abschlüsse unnötig gut ins Spiel und in der Defensive fand man keine Lösung gegen das temporeich vorgetragene 7:6.
Auch die Umstellung auf eine 6:0-Deckung brachte nicht die erhoffte Besserung und so drehte ein 8:0-Lauf (!) der Gäste zwischen der 14. und 24. Spielminute die Partie komplett. Anstatt die eigene Führung auszubauen, lag der TVH nun mit 9:14 im Hintertreffen. Bis zur Pause stellte der TuSEM gar auf 17:11, womit die Vorzeichen für die zweite Hälfte aus TVH-Sicht alles andere als gut standen.
Dennoch war es dem Team von Trainer Stefan Kneer vor allem im heimischen Sportzentrum durchaus schon gelungen, solche Rückstände zu drehen. Und der Start in Durchgang zwei ließ tatsächlich noch einmal Hoffnung aufkeimen unter den TVH-Anhängern. Denn beim 16:18 (37‘) und 17:19 (38‘) hatte Hüttenbergs Spielmacher Torsten Anselm jeweils noch einmal auf zwei Tore verkürzt. Der 22-Jährige, der an diesem Abend einer der wenigen Lichtblicke auf Seiten der Blau-Weiß-Roten war, spielte besonders in dieser Phase groß auf und hatte mit drei eigenen Treffern, einem herausgeholten Strafwurf und schönen Assists maßgeblichen Anteil daran, dass sein Team noch einmal aufschließen konnte.
Beim 24:26 hatte Danil Dyatlov, der mit sieben Treffern bester Feldtorschütze der Hüttenberger war, knapp zehn Minuten vor Schluss noch einmal auf zwei Tore verkürzt. Doch Essen ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Mit einer souveränen und effizienten Angriffsleistung gegen eine zudem schwach agierende TVH-Deckung ließen sie die Hausherren nicht weiter herankommen. Ganz im Gegenteil: beim 30:25 (54‘) hatten sie sich erneut einen komfortablen Vorsprung herausgespielt und spätestens beim 33:27 (58‘) war die Partie endgültig entschieden. Der TVH betrieb noch etwas Ergebniskosmetik, was die Enttäuschung über die erneute Niederlage jedoch nicht schmälern konnte.
Stefan Kneer sah vor allem in der mangelnden Chancenverwertung den Grund, warum sein Team nach gutem Start entscheidend ins Hintertreffen geriet: „Wir haben diese Woche viel über Emotionalität gesprochen und wie wir in das Spiel kommen wollen. Das haben wir in den ersten vierzehn Minuten auch gut gemacht. Aber dann stellt Essen auf 7:6, was wir auch trainiert und besprochen hatten, und haben mit Felix Mart auf Mitte einen überragenden Entscheider, der das sehr gut gemacht hat. Im Angriff erspielen wir uns gute Chancen, machen die Bälle aber nicht rein, was dazu führt, dass wir uns davon runterziehen lassen und nicht mehr in unser Tempospiel kommen.“ Auch wenn sein Team erneut Moral bewies, wog die Halbzeit-Hypothek schließlich zu schwer: „Immer wenn wir die Chance hatten, das Spiel zu kippen, haben wir vorne etwas die Nerven verloren. Wenn du mit sechs Toren zur Halbzeit hinten liegst, muss in der zweiten Halbzeit schon alles perfekt laufen. Das war leider nicht so, daher muss man sagen, dass es ein verdienter Sieg für Essen war.“
TVH: Wehrum, Shamir (10 P. /25 %) – Schwarz (2), Sehnke (1), P. Ohl (4), Spandau, Rüdiger (1), Reichl (1), Haack, Gümbel, Weimer, Anselm (5), Dyatlov (7), Schreiber (2), Kuntscher (7/7)
TuSEM: Knaack (8 P. /38 %), Diedrich (2 P. /13%) – Mart (8/6), Willner (5), Zunic, Faljic, Homscheid (3), Eißing (4), Schley (1), Wolf, Kofler (1), Neuhaus (3), Kostuj, Hejny (4), Mast (2), Werschkull (2)
Schiedsrichter: Funk / Jaros – Zuschauer: 1.250 - Zeitstrafen in Min. (TVH:TuSEM): 4:16 – rote Karten: Max Neuhaus (60‘, 3. Zeitstrafe)
Foto: Jennvier Rözcey
| Sonntag, 1 November 2026 | ||
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