Keine einfache Entscheidung haben die Verantwortlichen von Handball-Zweitligist TV 05/07 Hüttenberg getroffen. Der Traditionsverein wird den im kommenden Sommer auslaufenden Vertrag von Routinier und Abwehrspezialist Moritz Zörb nicht verlängern. Der 30-Jährige wäre in seine zwölfte Saison im Trikot der Blau-Weiß-Roten gegangen und war in den letzten Jahren aufgrund seiner Erfahrung nicht nur auf, sondern auch neben dem Feld wichtige Stütze des jungen TVH-Teams.
Moritz Zörb zählt in Hüttenberg eigentlich schon zum Inventar. Denn der gebürtige Lützellindener war bereits in der Saison 2014/15 – damals per Zweitspielrecht mit der HSG Wetzlar, wo er 2012 als damals 17-Jähriger von Kai Wandschneider erstmals in den Profikader des Erstligisten berufen wurde – für den TVH aktiv und gehörte 2017 zu der Mannschaft, die sensationell den Aufstieg ins Handball-Oberhaus schaffte. In der Saison 17/18 wechselte der Kreisläufer schließlich fest zum TV Hüttenberg und war seitdem zentraler Bestandteil des Bundesligateams.
Besonders in der Defensive organisierte er auf der Hinten-Mitte-Position die 3-2-1-Abwehr und sorgte für Stabilität. Durch seinen enormen Kampfgeist und seine körperliche Präsenz verschaffte sich Zörb Respekt bei seinen Teamkollegen und Gegnern und reifte schnell zu einer der Führungspersönlichkeiten. Seine beständigen Leistungen in Angriff und Abwehr, seine professionelle Einstellung und sein Teamgeist machten ihn zum Vorbild für junge Spieler und Sympathieträger bei den Hüttenberger Zuschauern.
Seine Bilanz lässt sich dabei sehen: in zwei Erstliga-Saisons (2012/2013 bei der HSG Wetzlar und 2017/2018 beim TVH) erzielte Moritz Zörb in seinen vierzig Einsätzen siebenundvierzig Treffer, in der 2. Handball-Bundesliga bestreitet er derzeit seine elfte Saison und hat bereits 247 Spiele absolviert. Damit hat er beim TVH mit weitem Abstand die meisten Einsätze auf seinem Konto. Zum Vergleich: Kapitän Hendrik Schreiber an zweiter Stelle kommt derzeit auf 189 Einsätze in Liga Zwei und 38 in Liga Eins.
Neben seiner Handballtätigkeit arbeitet „Zörbi“, der zusammen mit Vit Reichl und Lasse Ohl ein Trio am Kreis bildet, bereits seit einigen Jahren als Konstrukteur. Beim TVH ist er der einzige Spieler, der voll berufstätig ist und gleichzeitig den Aufwand als Bundesligaspieler stemmt. In den letzten Spielzeiten wurde er nahezu ausschließlich in der Abwehr eingesetzt, wo er stets der „Fels in der Brandung“ und für seine jungen Kollegen ein verlässlicher Partner war. Und das nicht nur auf dem Feld, sondern auch abseits. Als seine Mitspieler zuletzt gefragt wurden, welchen ihrer Mannschaftskameraden sie mit auf eine einsame Insel nehmen würden, fiel nicht selten der Name „Zörbi“ – mit der Begründung: „der kann einfach alles!“
Entsprechend schwer fiel den Verantwortlichen die Entscheidung, den Vertrag mit dem „Ur-Gestein“ und Sympathieträger nach der Saison nicht weiter zu verlängern. Eine Entscheidung die jedoch primär aus strategischen und zukunftsorientierten Aspekten heraus getroffen wurde.
Moritz Zörb: „Für mich ist das jetzt natürlich eine sehr emotionale Situation. Mit dieser Entscheidung geht für mich ein Lebensabschnitt zu Ende und ich muss mich erst einmal sortieren und überlegen, ob und wenn ja, wie es für mich neben meinem Hauptberuf mit dem Handballsport weitergeht. Umso mehr freue ich mich jetzt auf die Rückrunde, die eine ganz besondere und vor allem emotionale für mich wird. Natürlich will ich noch möglichst viele Siege mit den Jungs und den Fans feiern und meine letzten Spiele in der zweiten Liga für den TVH genießen.“
Stefan Kneer (Trainer TVH): „Zunächst einmal tut es mir persönlich sehr leid, dass wir den Vertrag mit Zörbi aus wirtschaftlichen Gründen nicht verlängern konnten. Zörbi ist ein Spieler, den ich sehr lange kenne und mit dem ich selbst noch zusammengespielt schon habe. Wir haben ein sehr, sehr gutes Verhältnis, daher tut es vielleicht noch mehr weh als bei anderen Spielern. Er hat in den letzten zehn Jahren viel für Hüttenberg geleistet und auch mich, als ich vor einigen Jahren neu dazu kam, sehr unterstützt und mir geholfen. Daher freue ich mich noch einmal auf die nächsten vier Monate, in denen ich mit ihm zusammenarbeiten und schöne gemeinsame Momente erleben darf. Ab nächster Saison müssen dann andere Spieler versuchen, die Lücke, die Zörbi hinterlässt, zu schließen.“
Timm Schneider: „So eine Entscheidung ist brutal und will man auch eigentlich nicht treffen, denn sie ist uns sehr schwergefallen. Zörbi ist nicht nur sportlich vor allem für die Abwehr ein Verlust, sondern wird auch als Typ fehlen. Er war für die Mannschaft und den Verein ein Eckpfeiler und man konnte sich immer auf ihn verlassen. Auch abseits des Feldes übernahm er Verantwortung und zeigte stets Eigeninitiative, um Dinge voranzubringen. Nur eines von vielen Beispielen ist die Reparatur der Kraftraumgeräte, die er dank seines handwerklichen Geschickes unaufgefordert vornahm – und das ähnlich wie seine Leistung auf dem Feld: ohne viel Lärm darum zu machen. Als Spieler durfte ich noch eine Saison mit ihm spielen, was mir sehr viel Freude bereitet hat und man einfach weiß, was diese kleinen Details für das große Ganze in einem Verein ausmachen. Daher wird er rundum große Fußstapfen hinterlassen.
Am Ende mussten wir dennoch schauen, wie wir die Mannschaft für die Zukunft aufstellen und natürlich zudem auch die wirtschaftliche Rahmenbedingung beachten. Daher haben wir uns dazu entschieden, so wenige Wechsel wie möglich vorzunehmen, um gerade in der kommenden Saison eine sehr gut eingespielte Mannschaft zu haben. Mit dieser Kaderkontinuität wollen wir die entstandene Lücke, die Zörbi in jedem Fall hinterlassen wird, schließen.
Wir hatten ein offenes Gespräch und haben Zörbi unsere Beweggründe genannt und hoffen, dass er es mit ein wenig Abstand auch nachvollziehen kann. Gemeinsam möchten wir seine letzten Spiele in der 2. Liga beim TVH für ihn zu etwas Besonderem machen und die Saison mit maximalem Erfolg beenden.“
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